Jeannine Budelmann
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KI in der Küche
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KI in der Küche

Erschienen in Markt und Mittelstand 09/2022.

Mit der Intelligenz ist das so eine Sache. Egal, ob künstlich oder nicht – nicht, alles, was intelligent aussieht, ist es auch. Das müssen einige deutsche Firmen und ihre Marketingabteilungen noch lernen. Kürzlich verblüffte beispielsweise Jura mit einer intelligenten Kaffeemaschine: Diese verfügt angeblich über künstliche Intelligenz, weil sie Kaffeeliebhabern ihre Wünsche förmlich von den Fingern ablese. Ein Blick in die Bedienungsanleitung ernüchtert allerdings: Dort ist nur noch die Rede von einem „intelligenten Modus“, der dafür sorgt, dass Produkte, die häufiger konsumiert werden, an vorderer Stelle im Display angezeigt werden. Technisch gesehen ist diese Funktionalität schon lange kalter Kaffee. Intelligent ist an dieser Lösung zumindest nichts. Passen Sie also auf, wenn die Pferde in Ihren Marketingabteilungen durchgehen!

Aber was ist künstliche Intelligenz denn nun? Eine allgemeingültige Definition gibt es nicht. Das deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz spricht beispielsweise davon, dass ein System menschenähnliche, intelligente Verhaltensweisen aufweist. Das ist in vielen Fällen aber Zukunftsmusik. In den meisten KI-Anwendungen, denen wir heute begegnen, finden sich Methoden des maschinellen Lernens. Vereinfacht gesagt werden die Algorithmen mit großen Datenmengen gefüttert, aus denen sie dann bestimmte Merkmale extrahieren, um auf dieser Basis Entscheidungen zu treffen. Anwendung findet maschinelles Lernen beispielsweise beim autonomen Fahren oder den bekannten Sprachassistenten. Das Intelligente daran ist, dass sich die Entscheidungen ändern können, wenn sich die Daten verändern. So passt sich das Ergebnis an und die Software „lernt“. Allerdings kann sie auch Fehler machen, wenn sie mit falschen oder schlechten Daten gefüttert wird. Eine wirklich intelligente Kaffeemaschine nach diesem Verständnis wäre beispielsweise in der Lage, anhand meines morgendlichen Grummelns zu unterscheiden, ob ich lieber einen Latte Macchiato trinken möchte, oder doch eher einen doppelten Espresso benötige. Liebe Jura-Kollegen: Wenn Sie Daten benötigen – grummeln kann ich!